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Hallo!

Wir würden euch gerne unsere frisch gegründete Critical-Whiteness-Gruppe vorstellen:

Unsere Gruppe trägt den Arbeitstitel „Kartoffelbrei“ und besteht aus weißen, deutschen also durch Rassismus privilegierten Menschen. Wir möchten unsere eigene Position in der rassistischen Gesellschaft kritisch hinterfragen und fragen uns, wie wir als weiße gegen Rassismus aktiv sein können. Antreiber für die Gründung waren bei uns die Ereignisse in der feministischen bzw. linken Szene im vergangenen Jahr: das No Border Camp in Köln sowie die Geburtstagsparty der Mädchenmannschaft.

Wir sind bisher acht Menschen aus Köln (mehr Frauen* als Männer*, alle akademische Mittelschicht, viele (pro-)feministischer Hintergrund) und treffen uns (seit Dezember 2012) alle zwei Wochen. Wir sind noch in der Gründungsphase.

Unsere Gruppe aus „Kartoffeln“ stellt einen weiteren weißen Raum her und wirft einen Widerspruch auf: Einerseits möchten wir mit unseren Fragen zu Rassismus und weißsein nicht ständig People of Colour und/oder Menschen mit Rassismuserfahrung nerven. Andererseits ist eine Reflektion unserer Privilegien ohne den Input von und den Austausch mit People of Colour und/oder Menschen mit Rassismuserfahrung nicht möglich. Wir möchten versuchen, damit produktiv umzugehen.

Wir möchten uns mit People of Colour und/oder Menschen mit Rassismuserfahrung – ob als Einzelpersonen oder in Gruppen organisiert – vernetzen, um Feedback zu bekommen und unsere Arbeit offen zu legen und transparent zu machen. So möchten wir verhindern, dass wir in einem weißen Raum ein „sprechen über“ veranstalten und einen Schutzraum für weiße Befindlichkeiten herstellen. Diese Überlegungen und das gesamte Konzept sind bisher unsere, also weiße Überlegungen und nur teilweise mit People of Colour und/oder Menschen mit Rassismuserfahrung abgesprochen.

Bei „Kartoffelbrei“ soll es also um zwei Sachen gehen:

1) Zum einen möchten wir uns selbst und unser weißsein reflektieren, einen Raum und eine Struktur schaffen, in der weiße mit einer kritischen Herangehensweise über die eigenen Rassismen und das eigene weißsein sprechen können, um damit nicht immer von Rassismus negativ Betroffene zu belästigen. Bisher reden wir vor allem über Alltagssituationen, reflektieren die darin vorkommenden Machtverhältnisse, unsere eigenen Abwehrmechanismen und die damit verbunden Handlungsmöglichkeiten. Wir haben es noch nicht geschafft, zusammen zu lesen, obwohl einige für sich zum Thema lesen („Deutschland Schwarz weiß“ von Noah Sow, „re/visionen“ von Kien Nghi Ha (u.a.), „Mythen Masken und Subjekte“) oder sich über die Uni etc. beschäftigen.
2) Zum anderen möchten wir Strukturen schaffen, die People of Colour und/oder Menschen mit Rassismuserfahrung in ihrem/ihren antirassistischen Kampf Kämpfen gegen weiße Vorherrschaft konkret unterstützen. Damit meinen wir nicht die Kämpfe gegen Frontex etc, sondern gegen solche Leute wie uns selber: „normale“ Kartoffeln, die womöglich gar nicht wissen, dass sie weiß sind o.ä. Bisher gab es die Idee von befreundeten People of Colour und/oder Menschen mit Rassismuserfahrung, dass sie Kritik an weißem/rassistischen Verhalten von Einzelnen von uns an unsere Gruppe herantragen könnten. Das würde entlastend wirken und ein Ansprechen einfacher machen. Dies ist auch schon passiert. Wir wurden auch von einer PoC Empowerment Gruppe gebeten, eine Reaktion auf einen Artikel in der Roten-Hilfe-Zeitung zu verfassen, der rassistischen Sprachgebrauch verteidigt. Ansonsten würden wir gerne mehr machen. Was wir allerdings nicht machen möchten ist „klassische Anti-Ra“ Arbeit, also Unterstützung von Geflüchteten und Menschen ohne sicheren Aufenthaltsstatus, da wir eben den Ansatz vertreten, dass es zuerst einer Reflexion unseres weißseins (und „Anti-Ra“ Politik(en) im Allgemeinen) bedarf.

Das war es erst mal zu uns. Nun würden wir uns sehr über Feedback von People of Colour und/oder Menschen mit Rassismuserfahrung freuen!

Wir haben schon ein paar detailliertere Fragen an euch:

– Wie würdet/würden ihr/Sie euch/sich Transparenz wünschen? Unsere Ideen waren bisher, die Protokolle unserer Gruppentreffen auf unserem entstehenden Blog zu veröffentlichen, oder sie in einem semi-privaten Forum (Crabgrass) zu veröffentlichen, zudem nur Eingeladene Zugang haben.
– Habt/haben ihr/Sie Lust, uns Themen reinzugeben, an denen wir arbeiten können? Z.B. was nervt euch an weißen? Was sind überhaupt unsere typischen Verhaltensweisen (z.B. analog zu männlichen Verhaltensweisen)?
– Hätte/hätten ihr/Sie Lust, auf längere Sicht mit uns zusammen zu arbeiten, in Form von längerfristiger Supervision?
– Gäbe es eine Form von Unterstützung, die ihr/Sie euch/sich von uns vorstellen könntet/könnten?
– Wir würden gerne eine Critical Whtieness Workshop für uns organisieren,zu dem wir Expert*innen einladen wollen. Hättet/hätten ihr/Sie Lust, parallel dazu (mit uns) einen PoC Empowerment Workshop zu organisieren oder an einem solchen teilzunehmen?
– Was haltet/halten ihr/Sie von unserem Konzept, was könnte man verbessern?

– Habt/haben ihr/Sie allgemein Kritik oder Anregungen?
– Was haltet/halten ihr/Sie von dem Namen „Kartoffelbrei“? Wir sind uns unsicher, ob es ok ist, diese Bezeichnung, die ja eigentlich ein Empowerment für People of Colour und/oder Menschen mit Rassismuserfahrung sein soll (da eine Beleidigung für weiße) jetzt für unsere weiße Gruppe anzueignen.

Wir freuen uns auch über Feedback weißer Menschen, die solidarisch mit dem Konzept Critical Whiteness/White Awareness sind und mit uns Kontakt aufnehmen.

Viele Grüße

Kartoffelbrei

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