Februar 2014

Der größte Teil des Plenums war das Besprechen des Offenen Briefs, der an die Blote Vogel Schule in Witten und andere Institutionen in der Umgebung gegangen ist. Dafür sind auch andere weiße dazugekommen, die bei dem Vorfall dabei waren. Mit der involvierten Person of Color wurde dieses Vorgehen im vorhinein abgesprochen. Er*sie war nicht bei dem Plenum dabei, konnte aber im Vorhinein und im Nachhinein den Brief noch verändern.
Fragen, die dabei aufkamen, waren vor allem, inwiefern wir in diesem Brief die Namen der rassistisch Handelnden nennen sollten. Die Namen nicht zu nennen kam uns wie ein Beschützen der Personen vor. Letztendlich haben wir uns dagegen entschieden, die Namen zu nennen, da wir die Gefahr sahen, dass sich die „Empörung“ dann nur gegen diese Einzelpersonen richtet, und eine gesamte Reflexion des Rassismus dadurch verhindert wird.
Ein weiterer großer Teil war die Besprechung des letzten Protokolls und der Protokolle 1-3, die dann auf die Homepage gestellt werden sollten. Zukünftig versuchen wir durch bessere Organisation zu vermeiden, dass dies soviel Plenumszeit einnimmt.
Beim Durchgehen der ersten drei Protokolle sind uns viele Sachen aufgefallen, die wir am Anfang machen wollten und nicht weiter verfolgt haben. So wollten wir unter anderem einen Katalog der weißen Abwehrmechanismen machen, und einen Katalog des weißen Verhaltens. Dennoch haben wir das Gefühl, zumindest bei dem letzten Punkt schon viel dazu gelernt zu haben. Zum Beispiel können wir jetzt den Umgang mit Geld und eine Sucht nach Harmonie als weiß identifizieren. So klar sind wir da aber noch nicht und haben teilweise das Gefühl, das „alles“ weiß ist.
Uns ist aufgefallen, dass unsere Protokolle so klingen könnten als seien wir total reflektiert und aware und würden auch alles so umsetzen. Deshalb haben wir noch einen Anfangssatz hinzugefügt.
Zuletzt hatten wir noch Zeit für eine halbe Stunde „offene Runde“, in der wir Sachen besprechen, die uns als Einzelnen passieren, und die wir in der Gruppe reflektieren möchten.
X hat über ein Chat Programm Kontakt zu einer Person of Color Y, die auch viele andere Privilegien mit ihm*ihr nicht teilt (gesicherter Aufenthaltsstatus, sicheres Einkommen, Universitätswissen, Mittelschichtshabitus…). er*sie empfindet dabei eine unangenehme Schräglage in den Gesprächen. Das Ergebnis unserer Reflexion war, dass es eine Schräglage in der Kommunikation so lange geben wird, wie es eine Schräglage in den Privilegien gibt. Lösbar wäre die Situation also nur, wenn X Teile seiner Privilegien an Y abgibt. Eine komplette Privilegienabgabe ist aber unter den bisherigen gesellschaftlichen Umständen nicht möglich.
Daraus entwickelte sich die Frage, wie es mit der Privilegienabgabe als Einzelpersonen aussieht.
Weiterhin ging es um einen Text, den eine*r von uns über unseren Verteiler geschickt hat:
http://www.blackgirldangerous.org/2014/02/4-ways-push-back-privilege/
Wir sprachen vor allem über den 2. Punkt: Privilegien abgeben heiße, nicht hinzugehen zu Events, Orten etc. wo andere strukturell ausgeschlossen sind.Dazu besprachen wir unterschiedliche Sichtweisen. U.a. fanden wir auch, dass einfach nicht mehr hinzugehen auch eine einfache Antwort für das schlechte Gewissen sein kann. Und dass dies auch eine sehr moralische Herangehensweise ist, die von der Vorstellung und der Erwartung geleitet ist, dass Einzelne die Strukturen ändern können und erinnert uns ein bisschen an sowas wie McDonald Boykott.
Das Thema was dazu auch aufkam waren Kolonialreisen. Also Reisen von uns weißen an Orte, wo die Menschen nicht genau so einfach zu uns reisen können. Nach der Logik „nicht hingehen“ würden wir das nicht mehr machen. Allerdings haben die Leute vor Ort auch einen finanziellen Vorteil davon, dass wir dorthin fahren. Souvenire kaufen, nach Hause nehmen und damit Kulturkannibalismus zu betreiben bleibt rassistisch, aber es ist auch Geld für Souvenirverkäufer*innen. Eine denkbare Alternative wäre, den Verkäufer*innen einfach so Geld zu geben, ohne was zu kaufen. Ein Einwand dagegen war, dass dies eine Form von Charity sei, und nicht wertschätzend gegenüber den Verkäufer*innen. Ein Gegeneinwand hierzu wiederum war, dass die Machtverhältnisse, der weiße Mann hat das Geld, eh so klar sind, dass es vielleicht auch egal ist ob man was kauft oder was schenkt. (Gedanken der*des Protokollant*in: Dahinter steckt vielleicht auch sowas weißes protestantisches Mittelschichtiges: ich muss was tun für meinen Lohn und will keine „Almosen“, das sei dann würdevoll, Sachen geschenkt bekommen sei nicht würdevoll.)

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