Über uns im Blog

Wie können wir unsere Arbeit transparent machen? Diese Frage hat uns von Anfang an, immer mal wieder beschäftigt. Unsere Idee war, dass wir Protokolle schreiben die People of Color bei Bedarf lesen können. Doch Protokolle sind einerseits nicht gut lesbar und enthalten andererseits auch Informationen über mit uns befreundete oder zusammen arbeitende People of Color und ihre Strukturen. Dann würde sich die Frage stellen, wo können wir die Protokolle veröffentlichen, wollen die betroffenen Personen das, müssen wir sie fragen? Wir haben uns daher entschieden einen anderen Weg zu gehen und jeden Monat einen Artikel auf unserem Blog zu veröffentlichen. So können wir von den bei uns besprochenen Themen und Standpunkten erzählen ohne konkrete Personen und Strukturen zu benennen. Außerdem werden uns selbst durch das Aufschreiben Dinge noch ein mal klarer und wir bekommen vielleicht hilfreiches Feedback.

Eine weitere Idee war und ist Supervision. Leider haben wir bisher noch keine of Color Gruppe gefunden, die Lust und Kapazität dazu hätte (was auch nicht überraschend ist). Wir sind immer noch auf der Suche und über Vorschläge und Ideen dankbar.

Nach einer zweimonatigen Winterpause haben wir uns Mitte Januar wieder getroffen. Um Kapazitäten für andere Arbeiten zu bekommen, haben wir uns entschieden nur noch ein mal im Monat, dafür länger ein Plenum zu machen.

Die (nicht vorhandenen) Kapazitäten waren aber auch aus anderer Perspektive Thema auf unserem Plenum. Wie kommt es, dass einige von uns sehr oft, andere fast nie Themen und Fragen zum reflektieren mit zum Plenum bringen? Um diese Frage zu beantworten haben wir zunächst geschaut, wie unsere Freund*Innenkreise strukturiert sind. Der Anteil an People of Color in unserem jeweiligen Umfeld ist sehr unterschiedlich und ist mit Beginn des Studiums oder dem Zutritt in die linke Szene jeweils massiv zurückgegangen. Das Ergebnis ist wenig überraschend: Je weißer (bzw. weiß gehaltener) das Umfeld ist, desto weniger Themen kommen auf.

Ein anderer Punkt ist die Art und Weise Konflikte einzugehen. Einige gehen bei rassistischen Situationen deutlich häufiger in Konflikte, ergreifen Partei und beziehen Position. Ob ihnen Dinge nun selbst auffallen oder sie von Betroffenen dazu aufgefordert werden. Und nicht nur bei Reaktionen auf rassistisches Geschehen, auch bei der Planung eigener Aktivitäten sind einige deutlich aktiver. Darin liegt auch ein Grund für unterschiedlich häufig aufkommende Themen für unsere offene Runde. Denn nur wer etwas macht, kann auch Fehler machen.

Das gleiche Thema ist auch bei einer Supportanfrage aufgekommen. Es ging dabei unter anderem darum, für unsere Gruppe auf Emails zu antworten oder im öffentlichen Raum zu sprechen. Zu beidem hatten sich einige aus Unsicherheit heraus nicht getraut. Einerseits hatten wir das Gefühl, dass unser „Rumeiern“ zu Frust bei uns selbst führt. Andererseits besteht das „Rumeiern“ vor unseren gesellschaftlichen Positionierungen: Wenn wir uns als weiße mit Rassismus auseinandersetzen ist das nicht empowernt, da wir uns mit unseren Privilegien und unserer Verstrickung auseinandersetzen. Und wir sind nicht darauf angewiesen uns mit Rassismus auseinanderzusetzen und haben aufgrund der fehlenden Notwendigkeit weniger Motivation.

Durch eine Supportanfrage wurde bei uns auch die Frage aufgeworfen, ob und wenn ja wann wir ein Anfragen von People of Color öffentlich zu Rassismus zu sprechen ablehnen können. Konkret ging es darum: als weiße werden wir eher gehört und sollen deswegen sprechen. Wir hatten damit kein gutes Gefühl, wollten nicht in eine Fürsprecher*Innenposition kommen. Die Frauen unter uns haben überlegt, dass sie in einer ähnlichen Situation auf keinen Fall Männer um Unterstützung gefragt hätten. Wir sind noch nicht zu Schlussfolgerungen gekommen und haben ganz viele Fragen. Wenn wir das ablehnen weil wir diese Politik nicht unterstützen möchten, definieren wir dann nicht gleichzeitig, was „richtig“ ist? Andererseits wenn wir das machen obwohl wir das nicht gut finden, verstecken uns dann nicht hinter People of Color stehen nicht selbst dahinter? Das ist vielleicht ein Thema für eine Supervision…

Kommentar verfassen

Du kannst die folgenden HTML-Codes verwenden:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>